Der Schweizerische Stromkongress bringt die Branche zusammen – auch, wenn er online stattfindet. Daher liess es sich auch Bundesrätin Simonetta Sommaruga nicht nehmen, das Wort per Live-Schaltung aus dem Bundeshaus an die zugeschalteten Gäste zu richten. Die Energieministerin schwor die «Anwesenden» auf ein Energiejahr 2021 ein und betonte, dass die Energiewende und der Kampf gegen den Klimawandel nur gemeinsam zu schaffen seien. Spannende Referate aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie eine Podiumsdiskussion bildeten den weiteren Rahmen des Kongresses.
Stromkongress 2021

«Das Jahr 2021 wird ein Energiejahr.» Die Schweiz müsse nicht energie-autark werden, entgegnete die Energieministerin auf die Frage von Moderator Urs Gredig. «Aber die Versorgungssicherheit muss garantiert sein.» Dass die Schweizer Strominfrastruktur einer Belastung, wie sie das vergangene Jahr – «ein Jahr der Prüfung» – dargestellt habe, standhalten könne, schaffe in der Bevölkerung Vertrauen in die Energieversorger. «Und dieses Vertrauen brauchen wir, um unsere Ziele zu erreichen.»

Wenig Hoffnung auf eine schnelle Lösung wollte die Uvek-Vorsteherin den Teilnehmerinnen und Teilnehmern hinsichtlich eines Stromabkommens mit der EU machen. Auch der in letzter Minute besiegelte Brexit-Vertrag zwischen der EU und Grossbritannien ändere daran nichts: «Seit den letzten Verhandlungen hat sich in der EU in diesem Bereich sehr viel getan.» Ein entsprechendes Abkommen zwischen der Schweiz und der EU werde daher eher nicht so schnell abgeschlossen. «Aber das Ziel der Schweiz ist nach wie vor, ein Stromabkommen mit der EU abzuschliessen.»

VSE-Präsident Michael Wider schlug in seiner Begrüssung in die gleiche Kerbe und betonte, dass sowohl die Branche als auch die öffentliche Hand Verantwortung übernehmen müssten. «Die Zukunft verantwortungsvoll zu gestalten, ist eine grosse Aufgabe, die allen Mut abverlangt.» Die öffentliche Hand müsse dahingehend Verantwortung übernehmen, dass sie Rahmenbedingungen schaffe, die es den Energieversorgern erlaube, ihrerseits die nötigen Investitionen tätigen zu können, um die Versorgungssicherheit auch in Zukunft gewährleisten zu können.

Ein- und Aussichten aus Wissenschaft und Wirtschaft

Professor Reinhard Madlener leitet das von ihm gegründete Institute for Future Energy Consumer Needs and Behavior an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen. In seinem Referat zeigte er ökonomische und andere Einflussfaktoren auf die Dynamik der Energietransition auf. Die Energiewende bezeichnete er dabei als «Operation am offenen Herzen».

Espen Mehlum, Leiter Wissensmanagement und Integration beim Weltwirtschaftsforum WEF zeigte den Anwesenden auf, dass die Schweiz ihre Innovationskraft und ihr Potenzial noch stärker ausnützen sollte, um sich für die Energiewende besser zu positionieren. «Die Schweiz ist zwar schon gut vorbereitet auf den Umbau des Energiesystems, aber es gibt dennoch Luft nach oben, beispielsweise die Strommarktöffnung, die sich in Norwegen sehr positiv ausgewirkt hat.»

«Vertrauen» und «grosse Dimensionen»

In einer Podiumsdiskussion unterzogen sich Axpo-CEO Christoph Brand, Speaker Peter Kreuz, der zuvor über den Wandel an sich referiert hatte, Meyer-Burger-CEO Gunter Erfurt und der Aargauer FDP-Nationalrat Matthias Jauslin einem «Reality Check». Und da durfte konstatiert werden, dass zwischen den Realitäten der einzelnen Teilnehmer noch viel Platz ist. «Wenn die Kernkraft durch erneuerbare Energie ersetzt werden soll, dann müssen wir in grösseren Dimensionen denken, etwa über Freiflächen-Photovoltaikanlagen», sagte beispielsweise Christoph Brand. Matthias Jauslin hingegen nahm die Industrie in die Pflicht und trug ihr auf, Vertrauen für ihre neuen Technologien zu schaffen.

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